Hilfe für Angehörige von Sexsüchtigen

im deutschsprachigen Raum

Meetings

Wenn dies dein erster Kontakt mit einem 12-Schritte Programm ist, hast du eventuell Fragen zu dem, was wir in Meetings tun und wie unsere Gruppen arbeiten. Wir werden versuchen, einige dieser Fragen hier zu beantworten. Um Näheres zu erfahren möchten wir dich ermutigen, per Telefon oder e-mail Kontakt zu S-Anon aufzunehmen. Informationen zu einzelnen Meetings sind über die Kontaktstelle zu erfragen („Wie finde ich ein Meeting“)

Wer kommt zu S-Anon?

Vor ihrem ersten Besuch eines S-Anon Meetings hatten manche von uns interessante oder auch sie ängstigende Vorstellungen von dem, was sie dort erwartete. S-Anon Mitglieder sind Menschen aus allen Lebensbereichen: Ehefrauen, Ehemänner, Partner, Schwestern, Brüder, Kinder und Eltern von Sexsüchtigen. Wir sind einfach Menschen, deren Leben durch die Sexsucht eines anderen auf schwerwiegende Weise beeinflusst wurde. Wir treffen uns, um unsere Erfahrung, Kraft und Hoffnung miteinander zu teilen, um unser gemeinsames Problem zu lösen.
Unsere 3.Tradition lautet: Wenn sich Verwandte von Sexaholikern zu gegenseitiger Hilfe versammeln, können sie sich S-Anon-Familiengruppen nennen, vorausgesetzt, dass sie – als Gruppe – keine andere Bindung haben. Die einzige Voraussetzung für die Zugehörigkeit ist, dass bei einem Verwandten oder Freund das Problem der Sexsucht besteht.
Daher ist es einzig deine Entscheidung, ob du dich S-Anon zurechnest oder nicht. Deine Zugehörigkeit zu S-Anon ist nicht durch irgendwelche Regeln der Gemeinschrift oder des von dir besuchten Meetings bestimmt.

Möglicherweise hast du von anderen 12-Schritte-Gruppen gehört, die Angehörigen von Sexsüchtigen ebenfalls Hilfe anbieten. Obwohl sie alle eigenständige Gemeinschaften sind, so kooperiert jede dieser Gruppen mit einem speziellen Genesungsprogramm für Sexsüchtige. S-Anon kooperiert mit den Anonymen Sexaholikern (AS).

Du bist in S-Anon Meetings willkommen, egal welchem Genesungsprogramm sich dein süchtiger Angehöriger oder Freund angeschlossen hat (wenn überhaupt). Dies festzustellen ist uns wichtig.

Wie finde ich ein Meeting?

Zur Zeit gibt es in folgenden Orten Meetings: Bremen, Oldenburg, Hamburg, Braunschweig, Düsseldorf, Essen, Recklinghausen, Münster, Karlsruhe, Freiburg, Kempten, Schongau, München, Stuttgart.
Falls es kein Meeting in deiner Nähe gibt, ermutigen wir dich, mit uns in Kontakt zu treten. So kann es möglich sein, evtl. ein neues Meeting an deinem Ort ins Leben zu rufen. Auch die Teilnahme an den deutschsprachigen Treffen – s. unter Termine – könnte dir eine Möglichkeit bieten.

Kontakt -Telefon: 0175 / 6840010

eMail: s-anon@gmx.de

Was passiert im Meeting?

Meetings sind ein sicherer Ort an dem wir über das sprechen können, was unsere Herzen und Gedanken bewegt. Es besteht jedoch keine Verpflichtung, irgendetwas über deine persönliche Situation preiszugeben, solange du nicht dazu bereit bist. Insbesondere kannst du bei deinem ersten Meeting wenn du möchtest einfach nur zuhören. In den meisten Meetings ist es üblich, sich in einem Rundgespräch mit dem Vornamen vorzustellen. Wahrscheinlich wird ein Text aus der konferenz-geprüften S-Anon Literatur vorgelesen. In dieser Literatur wird der für S-Anon spezifische Ansatz zur Genesung vertreten. (Konferenz-geprüfte Literatur beinhaltet ausschließlich Schriften, welche von S-Anon, AS, Al-Anon oder AA herausgegeben wird.)

Wahrscheinlich wird ein Thema abgestimmt. Manchmal erteilt der Meetingsleiter denen, die zu diesem Thema sprechen wollen, das Wort. In anderen Gruppen sprechen die Teilnehmer nacheinander in Form eines Rundgesprächs, oder jedem einzelnen Teilnehmer steht eine definierte Zeitspanne zur Verfügung. Die Beiträge der einzelnen sollen nicht unterbrochen werden, daher vermeiden wir Diskussionen und Kommentare und erteilen auch keine Ratschläge. Sollten Teilnehmer Rückmeldungen zu ihren Beiträgen wünschen, so können sie dies mitteilen. Die Rückmeldungen werden im Anschluss an das Meeting gegeben.

Wir sprechen über das, was unsere Herzen bewegt und konzentrieren uns auf die Beiträge anderer, die uns neue Einsichten zur Bewältigung unserer eigenen Probleme ermöglichen. Wir ermutigen uns in den Meetings nur von uns selbst zu sprechen und nicht von den Fehler und Verhaltensweisen unserer Mitmenschen. Wir achten auf die Zeit, damit jeder der Anwesenden die Möglichkeit hat, sich mitzuteilen. Wenn die Zeit für persönliche Beiträge beendet ist, beendet der Leiter das Meeting. Für gewöhnlich bleiben die Teilnehmer nach dem Meeting noch einige Minuten zusammen, um Gelegenheit zum Gespräch zu haben. In manchen Meetings ist es üblich, im Anschluss in ein nahe gelegenes Cafe oder Restaurant zu gehen.

Nicht alles, was du in einem bestimmten Meeting hören wirst, wird dich betreffen. Daher empfehlen wir „nimm, was dir gefällt und laß’ den Rest hier“ und raten außerdem, wenigstens sechs Meetings zu besuchen, bevor du endgültig entscheidest, ob S-Anon dir hilfreich sein kann.

Wie kann S-Anon mir helfen?

Die Lebensumstände der Menschen, denen du im Meeting begegnest, unterscheiden sich möglicherweise von deinen eigenen. Wahrscheinlich wirst du dich aber in manchen der von ihnen geäußerten Emotionen wieder finden. In S-Anon erkennen wir, dass es Hoffnung auf Veränderung unseres Lebens gibt (Hoffnung und Hilfe). Wir hören von anderen, die in ähnlichen oder gar schlimmeren Situationen waren und darüber berichten, wie sie ihre Probleme lösten und sich zu den Menschen entwickelten, die sie sein wollten. Wir lernen von anderen, auf welche Weise sie das Programm von S-Anon und die Prinzipien zur Lösung ähnlicher Probleme nutzten. Ob unser Freund oder Angehöriger sich jemals entscheidet, Genesung für sich selbst zu suchen oder nicht, ist nicht entscheidend. Allein das Bewusstwerden unserer eigenen, selbstschädigenden Verhaltensweisen, welches in der sicheren Umgebung der S-Anon Meetings möglich ist, bedeutet einen wichtigen Schritt zu Freiheit und Genesung.

Wird irgend jemand weiter erzählen, dass ich in einem S-Anon Meeting war?

Für alle Teilnehmer in S-Anon ist es sehr wichtig, die Anonymität eines jeden zu respektieren. Dies trägt wesentlich dazu bei, uns im Meeting sicher zu fühlen und was auch immer uns bewegt zu teilen. Auch unseren Partnern sollten wir nicht erzählen, wen wir im Meeting getroffen haben und was erzählt wurde. In S-Anon nennen wir lediglich unseren Vornamen; es bleibt uns überlassen, jemandem unseren vollen Namen zu nennen. Wir sollten auch niemals die Anonymität eines S-Anon oder AS-Mitgliedes ohne dessen Einverständnis brechen.

Ist S-Anon ein religiöses Programm?

Nein. S-Anon ist wie alle anderen 12-Schritte-Programme spirituell, nicht religiös. Es ist in dem Sinne spirituell, als dass wir uns als abhängig von einer „Macht, größer als wir selbst“ verstehen. Diese „Höhere Macht“ unterstützt uns bei der Lösung unserer Probleme und hilft uns, geistigen Frieden zu erlangen. Wie diese „Höhere Macht“ zu verstehen ist, ist jedem selbst überlassen.

Die 12 Schritte sind universal und auf jeden Menschen übertragbar; daher ist zu deren Umsetzung keinerlei religiöse Praxis nötig. S-Anon möchte für jedermann ungeachtet seiner religiösen Bindung Hilfe bieten können. Daher vermeiden wir Diskussionen über spezifische religiöse Bekenntnisse, Überzeugungen und Schriften (Bibel, Koran etc.). Du wirst Menschen hören, die die Begriffe „Gott“ oder „Höhere Macht“ verwenden. Wie andere 12-Schritte-Programme auch, so unterstützt S_Anon sowohl religiöse Menschen wie auch Menschen, die keine formalen Konzepte von „Gott“ oder der „Höheren Macht“ haben. Manche bezeichnen auch die Gruppe als „Höhere Macht“, denn auch die Gruppe ist eine „Macht, größer als sie selbst“.

Wie finanziert sich diese Gruppe?

Jede S-Anon-Familiengruppe hat nur eine Aufgabe: den Familien von Sexaholikern zu helfen. Wir tun dies dadurch, dass wir die Zwölf Schritte von S-Anon praktizieren, dadurch, dass wir unsere süchtigen Angehörigen ermutigen und verstehen , und dadurch, dass uns Familien von Sexaholikern willkommen sind und wir sie trösten.
S-Anon ist mit keiner Sekte, Konfession, politischen Partei, Organisation oder Institution verbunden.

Wie viel kostet es?

Jede Gruppe erhält sich selbst und lehnt von außen kommende Zuwendungen ab.
Das heißt, dass auf freiwilliger Basis die Teilnehmer der Gruppen zu dem Erhalt der Gruppe (z.B. Miete für Räume ) beitragen.

Was soll ich jetzt tun?

Wenn du dich entscheidest, in S-Anon Genesung zu suchen, möchtest du vielleicht die folgenden Anregungen aufgreifen. Diese Vorschläge haben sich seit Beginn des Programms als hilfreich für viele S-Anons erwiesen.

  • Besuche insbesondere während deiner ersten Monate im Programm so viele Meetings wie möglich.
  • Sprich vor und nach dem Meeting mit anderen Teilnehmenden.
  • Tausche mit anderen Telefonnummern aus und verpflichte dich selbst, mit wenigstens einem von ihnen in Kontakt zu bleiben.
  • Eventuell möchtest du nach einiger Zeit ein Mitglied, das schon längere Zeit im Programm ist bitten, dein Sponsor zu werden. Ein Sponsor ist eine besondere Art von Freund, dem du auch Details deiner Situation anvertrauen kannst, die zu komplex oder unangemessen sind, um sie im Meeting zu teilen. Der Sponsor kann dir Anregungen für und Führung auf deinem Genesungsweg geben.
  • Außerhalb der Meetings kannst du vom Lesen konferenz-geprüfter Literatur profitieren.